FESTIVALS

Spoiler: Dieser Text ist leider nicht so reflektiert oder belegt, wie ich ihn gerne hätte und alles, worüber ich schreibe, sind meine persönlichen Erfahrungen. Aber weil mich diese Dinge so ankotzen, schreibe ich ihn trotzdem.

Ich mag Bier. Ich mag Rockmusik. Und manchmal suhle ich mich auch gerne für 4 Tage im Dreck. Ich bin quasi der geborene Festivalmensch. Da mein Musikgeschmack auch nicht speziell oder alternativ genug ist, zieht es mich auch eher auf die großen Festivals, wie das Hurricane oder Deichbrand. Seitdem ich mich aber eingehender mit dem Thema Feminismus beschäftige, macht mir das alles nicht mehr so viel Spaß.

Deichbrand 2015, auf dem Weg vom Zelt zu den Toiletten: Links und rechts eine Reihe betrunkener Typen*, über dem Weg ein Absperrband liegend. Als ich darüber gehen möchte, wird das Band hochgezogen. Dazu wird skandiert: „Tits out for the boys! Tits out for the boys!“. Dass der Trick jemals geklappt hat, einer Frau* mit Absperrband das Oberteil hochzuziehen, bezweifle ich zwar, trotzdem fühle ich mich angegriffen. Gesagt hab ich nichts. Wer will schon als Spielverderberin gelten? Mit Rudeln von Betrunkenen diskutiert es sich auch nicht so gut.

Hurricane 2014, Seeed, letztes Konzert: Ich bin alleine auf dem Konzert, da ich den Rest verloren habe, aber seit wann sollte mensch denn nicht alleine auf Konzerte gehen können? Es ist unglaublich voll, hinter mir laufen ständig Leute vorbei. Der erste packt mir an den Arsch. Wird wohl nen Versehen gewesen sein, denk ich mir, ist ja ganz schön eng hier. Der zweite. Der dritte. Das Konzert hat gerade erst angefangen, aber ich hab keinen Bock mehr und geh zurück zum Campingplatz. Hab ich was gesagt? Irgendwem eine gescheuert? Nö, in dem Gedränge hätte ich eh nicht gewusst, wer das war.

Im Nachhinein habe ich mich immer ziemlich geärgert. Warum kann ich als weiblich* sozialisiertes Wesen nicht alleine auf ein Konzert oder Festival gehen, ohne direkt dumm angemacht oder angetatscht zu werden? Und überhaupt, warum ist zumindest der deutsche Durchschnittsfestivalbesucher männlich*, weiß, ohne Migrationshintergrund und sexistisch? Und wo sind eigentlich die Frauen*bands? Oder wenigstens Bands mit Frauen*? Spontan fallen mir kaum Bands ein. Die BBC hat mal Festivalplakate modifiziert und nur die Bands stehen gelassen, in denen wenigstens eine Frau* mitspielt. Sah ganz schön traurig aus.

Ich bin ziemlich wütend. Eine Band mit Frau* hab ich dieses Jahr nämlich gesehen. Blood Red Shoes. Die Gitarristin und Sängerin sah verdammt heiß aus auf der Bühne. Leider hatte der Kameramensch mehr Interesse daran den Schlagzeuger zu zeigen. Frauen* sollten ja, wenn sie* denn schon Musik machen, einfach ein bisschen Akkustikgitarre spielen und dazu nett singen. Oder halt Popmusik machen. Aber mit ner E-Gitarre auf nem Rockfestival… Das war dem Kameramensch dann doch zu viel des Guten.

Nächstes Jahr geh ich wohl wieder auf ein Festival. Und dann will ich mich nicht ständig über sexistische Arschlöcher ärgern müssen, sondern einfach die Musik und das Drumherum genießen können. Und ich will möglichst viele heiße Frontfrauen* auf Großbildleinwänden anhimmeln können.

Heiße, wilde, laute, leise, crazy
Frontfrauen*.

Große, kleine, dicke, dünne, fancy
Frontfrauen*.

Schwarze, weiße, alte, junge, excellente
Frontfrauen*.

Queere, rollstuhlfahrende, schicke, cracking
Frontfrauen*.

Frontfrauen*! Frontfrauen*! Frontfrauen*!

 

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