UNSICHTBARES SICHTBAR MACHEN

Mensch Meyer menstruiert seitdem sie* 12 ist. Fand das damals scheiße, weil Menstruation in ihrer* Familie irgendwas Lästiges und Schlechtes war. Ihrer* kleinen Schwester hat sie* leider nur ihr* Beileid ausgedrückt, als diese ihr* als einzige menstruierende Person im Haushalt erzählt hat, dass sie* jetzt auch angefangen hat zu bluten. Sie* ist weiß, ihre* Eltern sind keine Akademiker*innen und sie* ist weiblich* sozialisiert, bezeichnet sich dennoch ungern als Frau ohne *. Bisher fühlte sie* sich zu Cis-Typen* hingezogen. Sie* schreibt aus einer persönlichen Sicht. Sie* benutzt die Begriffskombination ‚menstruierende Menschen‘, weil nicht nur Frauen* menstruieren.

 

Wenn eine als weiblich* gelesene Person irgendwie aus irgendeinem Grund, der für das meist männliche* Gegenüber nicht ersichtlich ist, schlecht drauf ist (Scheißtag, Scheißmenschen, einfach mal so ne Scheißlaune), heißt es oft: „Du hast doch deine Tage!“. Menstruation wird als was Negatives aufgefasst, macht Menschen zu Furien (Als gäbe es nicht tausend andere Gründe im kapitalistischen Normalvollzug!). Es wird, wenn überhaupt, hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. Die meisten heterosexuellen Cis-Typen* haben keine Ahnung davon, finden die Partner*in im schlimmsten Falle während der Mens sogar abstoßend. Menstruierende Menschen sind auch in unserer vermeintlich säkularen Gesellschaft unrein, ihnen haftet dann der Makel an, nicht rational, sondern emotional und unberechenbar zu reagieren.

Menstruation muss unsichtbar sein. Damit meine ich nicht nur, dass es unangenehm sein kann, dass das blaue Bändchen aus der Bikinihose lugt oder irgendwelche blöden Sprüche von Cis-Typen*, ‚Freunden‘ und ‚Kumpels‘ zu hören, wenn ein Tampon aus der Tasche rollt.

Ich meine auch, dass menstruierende Menschen trotz Schmerzen funktionieren müssen. Viele können sich über Tage kaum bewegen und müssen Unmengen an Schmerzmitteln nehmen, damit sie es irgendwie über den Tag schaffen. Und dann hat mensch auch noch Uni oder Arbeit im Hinterkopf. Weil sie eigentlich Präsenz zeigen müssen und sich manchmal auch noch hinschleppen, anstatt einfach im Bett zu liegen und trotz der irrsinnigen Schmerzen (oder unendlicher Wut/Traurigkeit/was auch immer) versuchen, es sich halbwegs gut gehen zu lassen. Weil sie ja eigentlich funktionieren müssen. Was für eine Vorstellung, wenn sich menstruierende Menschen einfach die Zeit und den Raum nähmen, um zu menstruieren und Schmerzen zu haben, statt zu arbeiten oder studieren. Das wäre regelrecht revolutionär.

Und dann kreiert Menstruation auch Ausschluss. Unendlich viele Toiletten in Kneipen/Bars/Cafés/Restaurants/Kinos… sind nicht menstruierenden-freundlich. Sie sind dreckig. Es gibt kein Klopapier, keine Seife. Was soll ich tun, wenn die Binde gewechselt werden muss? Es stellt ein Gesundheitsrisiko dar, wenn ich mit ungewaschenen Händen den Tampon wechsle und nicht jede*r hat Feuchttücher dabei. Manchmal kommt die Menstruation überraschend, oder das Blut läuft stärker als gedacht. Wenn alles vollgesogen und kein Ersatz dabei ist, heißt es oft nach Hause gehen. Die Party ist vorbei.

Es kann empowernd sein, sich mit der eigenen Menstruation auseinanderzusetzen, sich mit menstruierenden Menschen auszutauschen, sich auch mit Cis-Typen*-Freunden darüber zu unterhalten. Menstruation soll nicht unsichtbar sein, wenn eine*n das  gerade beschäftigt/beutelt.

Ich fand Menstruation immer ätzend und einfach nur lästig. Seitdem ich mich unter queerfeministischen Aspekten mit Mens auseinandergesetzt und auch ausgetauscht habe, akzeptiere ich sie eher, ich kenne meinen Körper besser und nehme mir Raum. Auch eine Mens*tasse kann Menstruation sichtbar machen, das Blut verschwindet nicht so schnell im Müll, wie bei Tampons. Mensch sieht, wie sich die Konsistenz und Farbe verändert und wie es langsam ausklingt. Ich finde das irgendwie gut.

Für mich ist Menstruation kein mysteriöses Geheimnis. Kein Hokuspokus, den ich zelebrieren möchte. Ich fühle mich nicht weiblicher* und erdverbundener damit. Die Mens*tasse wähle ich nicht wegen der Natürlichkeit. Schmerzen sind kein Zeichen dafür einfach mal zurückzutreten und in uns hineinzuhorchen, sondern einfach nur Scheiße.

Menstruation ist für mich manchmal spannend und faszinierend, aber wäre ich vor die Wahl gestellt, würde ich trotzdem lieber nicht menstruieren.

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